Das geschulte Auge stößt an Grenzen – und das ist keine Schwäche
Jede Tierärztin und jeder Tierarzt kennt die Situation: Der Besitzer berichtet, der Hund „laufe seit Wochen komisch“, doch in der Praxis zeigt sich ein nahezu unauffälliges Gangbild. Gerade beidseitige Lahmheiten sind tückisch – wo beide Hintergliedmaßen gleichermaßen entlasten, fehlt das sichtbare Hinken, an dem sich das Auge orientiert. Auch subtile, schleichend beginnende Lahmheiten und Kompensationsmuster entziehen sich häufig der rein visuellen Beurteilung.
Dazu kommt ein bekanntes methodisches Problem: Die visuelle Einstufung von Lahmheitsgraden ist subjektiv. Zwei erfahrene Untersucher können denselben Hund unterschiedlich bewerten – und derselbe Untersucher denselben Hund an zwei Tagen ebenfalls. Für Verlaufskontrollen über Wochen oder Monate ist das eine schwierige Ausgangslage.
Die Forschung bewegt sich in Richtung objektiver Messung
Die computergestützte Ganganalyse ist in der Veterinärmedizin ein aktives Forschungsfeld. Ein Übersichtsartikel zur kinematischen Ganganalyse beim Hund (online erschienen im Oktober 2025) beschreibt, wie sich Gangauffälligkeiten objektiv untersuchen und quantifizieren lassen – zur Diagnose von Lahmheiten ebenso wie zur Therapieüberwachung. An der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde zudem ein KI-basiertes System zur videobasierten Ganganalyse der Hintergliedmaßen evaluiert; die Forschung sieht in der automatisierten, praxistauglichen Ganganalyse großes Potenzial für Diagnostik und Therapie orthopädischer Patienten.
Interessant dabei: Inertiale Messsysteme (IMU) – kleine Bewegungssensoren am Körper des Tieres – sind in der Pferdemedizin bereits deutlich etablierter als beim Hund. Genau diese Lücke schließt sich gerade.

Was sensorbasierte Ganganalyse konkret liefert
Ein System wie LupoGait arbeitet mit 6 oder 12 Bewegungssensoren, die dem Hund mit Gurten angelegt werden. Die Analyse erfasst 34 kinematische Parameter, darunter:
- Symmetrie zwischen den Gliedmaßen – der Schlüssel zur Erkennung beidseitiger und subtiler Lahmheiten
- Standphasen und Gangzyklus-Kennwerte
- Range of Motion der Gelenke
- Hinweise auf Gelenkbelastungen und Kompensationsmuster
Der komplette Ablauf – Sensoren anlegen, Messung, Auswertung – dauert etwa zehn Minuten und findet unter realen Bedingungen statt: in der Praxis, auf dem Hof oder draußen beim normalen Laufen. Das unterscheidet die Bewegungsmessung grundsätzlich von statischen Verfahren wie Röntgen oder CT: Sie zeigt nicht die Struktur, sondern die Funktion.

Messen ersetzt nicht den klinischen Blick – es schärft ihn
Objektive Ganganalyse ist kein Ersatz für orthopädische Untersuchung, Palpation und Bildgebung. Sie beantwortet eine andere Frage: Wie bewegt sich dieser Hund heute – verglichen mit der letzten Messung? Damit wird aus dem Eindruck „läuft wieder besser“ ein dokumentierter Verlauf. Für die Diagnose liefert sie den objektiven Startpunkt, für die Therapie den messbaren Fortschritt und für das Besitzergespräch eine nachvollziehbare Grundlage.
LupoGait in der eigenen Praxis erleben
Sie möchten sehen, wie sensorbasierte Ganganalyse in Ihrer Praxis funktioniert? Wir zeigen Ihnen LupoGait gern persönlich – mit echter Messung und Auswertung. Vereinbaren Sie einen Demo-Termin oder rufen Sie uns direkt an.
